Das Gespenst des Fachkräftemangels zieht seine Runden quer durch alle Branchen. Wer topqualifizierte Fachkräfte für sein Unternehmen gewinnen möchte, muss sich daher etwas einfallen lassen. Neben ausgefallenen Recruiting-Kampagnen und einer attraktiven Gestaltung des Arbeitsplatzes kann auch die Hilfe eines externen Profis ein Mittel sein. Was Sie bei der Auswahl eines Headhunters beachten sollten und ob sich der Einsatz überhaupt lohnt, erfahren Sie hier.

Headhunter: Warum überhaupt?

Die Beauftragung eines Headhunters ist immer dann sinnvoll, wenn Sie Fachkräfte mit speziellen Fähigkeiten suchen. Für die Suche nach Azubis oder Praktikanten wäre der Einsatz etwas übertrieben. Aber gerade Fachkräfte in höheren Positionen sind Mangelware und zudem oftmals gar nicht aktiv auf der Suche. Um diese potenziellen Mitarbeiter überhaupt erst einmal auf Ihr Unternehmen aufmerksam zu machen, ist ein guter Headhunter vonnöten.

Lohnt sich ein Headhunter finanziell?

Allen guten Argumenten, die für einen Headhunter sprechen, steht immer das eine gute Kontra gegenüber: der Kostenfaktor. Jedoch kann sich die Investition in einen qualifizierten Headhunter schnell rentieren. Wer sich auf eigene Faust um neue Fachkräfte kümmern möchte, muss mit folgenden Kosten rechnen:

  • Erstellung einer passenden Stellenanzeige, eventuell durch einen externen Dienstleister (Texter/Grafiker)
  • Premiumaccounts in den jeweiligen Netzwerken und Jobbörsen
  • Anzeigenkosten für Tages- und Wochenzeitungen
  • (indirekte) Personalkosten für das Durchsehen und Sortieren der Bewerbungen sowie das Vereinbaren von Bewerbungsgesprächen

Je nachdem, wie schwer die Stelle zu besetzen ist, kann sich die Bewerbersuche lange hinziehen und die Kosten steigen entsprechend an. So kostet die Anzeigenschaltung bei überregionalen Printmedien für einen Tag schon mal 31.000 Euro. Schon erscheinen die Honorare für den Headhunter nicht mehr so hoch.

Hinzu kommt: Bei einem Kandidaten, der von einem Headhunter ausgesucht wird, sind Fehlgriffe eher selten. Wenn Sie jedoch das Recruiting selbst in die Hand nehmen, kann es durchaus passieren, dass Ihr Wunschkandidat am Ende doch nicht der richtige ist. Dann entstehen nicht nur Kosten durch das hohe Gehalt, das dem „falschen“ Kandidaten gezahlt wurde. Geht die Fehlbesetzung mit einer verringerten Produktivität oder gar einem Imageverlust einher, ist der wirtschaftliche Schaden enorm.

5 Merkmale, die den richtigen Headhunter auszeichnen

Ein Headhunter lohnt sich natürlich nur dann, wenn er zu Ihren Anforderungen passt. Wie auch bei Immobilienmaklern oder einem Personal Trainer ist nicht jeder Profi der richtige für Ihre Wünsche. Bei der Auswahl des passenden Headhunters sollten Sie deshalb diese fünf Merkmale besonders beachten.

1. Branchenkenntnis und gute Kontakte

Suchen Sie sich einen Headhunter, der auf genau die Art von Fachkräften spezialisiert ist, die Sie suchen. Ein Recruiter, der im Finanzwesen zu Hause ist und zahlreiche Erfolge vorweisen kann, wird Ihnen vermutlich nur mit Mühe einen Vertriebsmitarbeiter für die Automobilindustrie besorgen können. Ein guter Headhunter ist ein echter Kenner Ihrer Branche. Er ist vertraut mit den Eigenarten und Herausforderungen. Insbesondere kann er auf ein gutes Netzwerk an Branchenkontakten zurückgreifen, das er sich im Laufe der Zeit erarbeitet hat. Dieses Netzwerk erhöht die Chancen, schnell einen geeigneten Kandidaten zu finden und somit die freie Stelle schneller zu besetzen.

2. Guter Ruf und Referenzen

Lassen Sie sich bei der Wahl des Headhunters nicht von dessen Selbstbeschreibung blenden. Hören Sie sich in der Branche um. Vielleicht kann Ihnen jemand etwas über Ihren Favoriten erzählen oder hat einen anderen Tipp? Auch Bewertungen in Onlineportalen können einen ersten Eindruck über die Beliebtheit und den Ruf eines Headhunters geben. Ein weiteres gutes Indiz für einen professionellen Headhunter, der zu Ihnen passt, sind entsprechende Referenzen. Wer zufriedene Kunden aus Ihrer Branche nachweisen kann, ist vermutlich auch für Sie eine gute Wahl. Weitere Auswahlhilfen sind zum Beispiel:

  • Etablierung am Markt: Wie lange ist der Headhunter schon aktiv?
  • Ausbildung: Welche Qualifikationen kann der Headhunter vorweisen?
  • Mitgliedschaften: Ist der Headhunter Mitglied in einem seriösen Verband wie dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater oder dem Bundesverband der Personaldienstleister?
  • Auszeichnungen: Kann der Headhunter eventuell Auszeichnungen vorweisen, die für die Qualität seiner Arbeit sprechen?

3. Faire und transparente Preisgestaltung

Dass ein guter Headhunter sein Geld wert ist, haben Sie weiter oben erfahren. Doch am Ende ist auch die konkrete Preisgestaltung ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen einen Headhunter. Grundsätzlich sind auf dem Markt vier Honorarmodelle gängig:

  1. Honorarabrechnung nach Zeitaufwand: Sie zahlen den tatsächlichen Zeitaufwand nach einem vereinbarten Tages- oder Stundensatz. Das Honorar ist auch im Falle einer Nichtbesetzung der ausgeschriebenen Stelle zu zahlen.
  2. Drittelmodell: Ein Drittel des Honorars zahlen Sie bei Beauftragung. Das zweite Drittel wird bei der Präsentation eines geeigneten Kandidaten gezahlt. Das letzte Drittel wird nur dann fällig, wenn Sie den Kandidaten auch tatsächlich einstellen.
  3. 50/50-Modell: Die Hälfte des vereinbarten Honorars zahlen Sie bei der Erteilung des Auftrags, den Rest bei erfolgreicher Einstellung eines Kandidaten.
  4. 100%-Erfolgsmodell: Sie zahlen das vereinbarte Honorar nur dann, wenn Sie tatsächlich auch einen der präsentierten Kandidaten einstellen.

Das 100%-Modell scheint für Unternehmen die sicherste Methode zu sein. Allerdings hat die Zahlung im Erfolgsfall einen großen Nachteil. Um die Chancen auf eine Einstellung und damit eine Bezahlung zu erhöhen, wird der Headhunter Ihnen möglichst viele Kandidaten präsentieren. Die Zeitersparnis und die selektierte Vorauswahl, die eigentlich durch die Beauftragung des Profis entstehen sollen, fallen damit weg. Die anderen Modelle sind daher vorzuziehen.

Die Höhe des Honorars ist frei verhandelbar. Sie orientiert sich meistens am voraussichtlichen Jahreseinkommen des gesuchten Mitarbeiters. 25 bis 33% dieser Summe sind für den Headhunter zu veranschlagen.

4. Exklusive Beauftragung

Ein seriöser Headhunter wird Ihnen nie unaufgefordert einen möglichen Kandidaten vorstellen. Er wird erst dann aktiv, wenn er einen Auftrag von Ihnen erhalten hat und versucht nicht, wahllos Mitarbeiter an Sie zu vermitteln. Außerdem legt er Wert auf eine exklusive Beauftragung. Somit wird verhindert, dass geeignete Kandidaten von mehreren Headhuntern für die gleiche Position angesprochen werden. Wenn Sie sich also für einen Headhunter entscheiden, bleiben Sie auch bei Ihrer Wahl. Ein Backup-Recruiter schmälert nur Ihre Chancen auf Erfolg.

5. Transparenz und Vertrauen als Basis

Da Sie den Erfolg Ihrer Personalsuche in die Hände des Headhunters legen, muss neben allen objektiven Faktoren auch das Bauchgefühl stimmen. Ein Headhunter, der Ihnen unsympathisch ist oder nicht auf der gleichen Wellenlänge schwimmt, wird es schwer haben, einen passenden Kandidaten zu finden. Sie müssen dem Profi voll und ganz vertrauen können. Ist das nicht der Fall, sollten Sie sich auch bei tollen Referenzen lieber einen anderen Headhunter suchen.